Kinder-Uni kommt an den Federsee

„Echte“ Profs der Uni Tübingen wollen künftig Vorlesungen für die Federseeschüler halten

Warum gibt es Blitz und Donner? Warum erzählen wir Geschichten? Warum raufen Jungs und sind Mädchen zickig? Mit klugen Fragen wie diesen beschäftigt sich die Kinder-Uni. In Tübingen, wo die Kinder-Uni erfunden wurde, sind die Vorlesungen mit „echten“ Profs der Renner und die Hörsäle vollgestopft mit wissbegierigen Kindern. Nun kommt die Kinder-Uni an den Federsee: Die Bad Buchauer Federseeschule wird neue Außenstelle der Kinder-Uni Tübingen.

 

Seit Professoren der Universität Tübingen 2002 die ersten Vorlesungen speziell für Kinder hielten, hat das Modell deutschland-, ja europaweit viele Nachahmer gefunden. Im näheren Umkreis laden etwa die Hochschulen Biberach, Ravensburg-Weingarten oder Sindelfingen die kleinen Akademiker regelmäßig zur Kinder-Uni. Dass nun aber wie in Bad Buchau Uni und Schule zusammenarbeiten, das dürfte zumindest in Baden-Württemberg eine absolute Premiere sein, schätzen Schulleiterin Elisabeth Sontheimer-Leonhardt und Michael Seifert, Mitorganisator der Kinder-Uni Tübingen.

 

Erstes Semester beginnt im Mai

 

Schon ab Mai sollen die Klassenräume der Federseeschule zu Hörsälen werden. Zwei Vorlesungen sind noch in diesem Schuljahr, also im Sommersemester, zwei dann im Herbst zum Wintersemester geplant. Teilnehmen dürfen alle Federseeschüler von der dritten bis zur sechsten Klasse. „Das einfach das typische Fragealter“, erklärt Schulleiterin Sontheimer-Leonhardt, die das Studium an der Kinder-Uni als Teil des neuen Ganztagsangebots für die Gemeinschaftsschule etablieren möchte. „Als Gemeinschaftsschule bieten wir ein breites Spektrum an Bildungsstandards an“, sagt die Buchauer Rektorin. „Da ist es interessant, Bildungsangebote an die Schule zu bekommen, die ein qualitativ hochstehendes Niveau haben.“

 

Aus diesem Grund habe sie einfach mal an der Uni Tübingen angefragt, berichtet Sontheimer-Leonhardt – und stieß sofort auf offene Ohren. Schon beim ersten Besuch der Tübinger an der Federseeschule im Januar war klar: Uni und Schule wollen gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Eigentlich haben die Tübinger Kinder-Uni ja schon vier Außenstellen, wendet Organisator Michael Seifert ein: „Aber dann war das Angebot doch zu verlockend. Das ist immerhin unsere erste Kooperation mit einer Schule.“

 

Denn auch die Universität Tübingen verspricht sich einiges von der Zusammenarbeit. „Zum einen gewinnt die Uni Sympathien, wird bekannt“, erklärt Seifert. Zum anderen werden so für die Kinder Schwellenängste zur akademischen Welt abgebaut. Dass es sich bei der Federseeschule zudem um eine Gemeinschaftsschule handelt, sei ein zusätzliches Plus, findet der pensionierte Uni-Pressesprecher: „Das ist uns viel wichtiger als ein Gymnasium als Kooperationspartner.“ Überhaupt habe sich die Universität Tübingen bewusst dafür entschieden, die Kinder-Uni nach außen zu tragen: „In Tübingen ist die Uni für viele Kinder nichts Besonderes. Wir wollen mit den Außenstellen auch mal Uni außerhalb der üblichen Zirkel machen, das ist auch ein Alleinstellungsmerkmal von Tübingen.“

 

Auch für die Professoren, die, so Seifert, für die Kinder-Uni Federsee extra nach Bad Buchau „exportiert“ werden, klingen die Gastvorlesungen vielversprechend. Wissenschaftliche Inhalte kindgemäß zu vermitteln, sei schließlich alles andere als kinderleicht. Die Kinder-Uni-Veranstaltungen benötigen deshalb eine aufwendige Vorbereitung, und so sei es nur sinnvoll, die „bewährten“ Vorlesungen auch andernorts zu halten. „Und so viel Zustimmung wie an der Kinder-Uni bekommen die Professoren im Alltag nicht“, beschreibt Seifert die besondere Atmosphäre. „Manche sind schon richtig süchtig danach.“

 

Abschluss mit Federsee-Bachelor

Suchtpotenzial soll auch die erste Buchauer Kinder-Uni-Vorlesung entfalten: „Warum brauchen wir Grammatik?“, lautet die Frage, der die Professorin Dr. Claudia Maienborn am 7. Mai mit den Kindern nachgehen möchte. Für die jungen „Studis“ ist die Teilnahme an den Vorlesungen freiwillig und kostenlos, dank der Unterstützung des Fördervereins Federseeschule. Künftig sollen aber auch noch Sponsoren für die Kinder-Uni gewonnen werden.

 

Wer sich für die Kinder-Uni einschreibt, erhält – wie es sich eben gehört – einen Studentenausweis. Und auch den Federsee-Bachelor oder -Master können die Kinder-Uni-Studenten erwerben. Dass nun alle Federseeschüler künftig akademische Weihen anstreben, das glauben Sontheimer-Leonhardt und Seifert jedoch nicht, und dies sei auch gar nicht die Absicht. „Es sollen einfach Impulse zur Bereicherung des Einzelnen gesetzt werden, es geht um die Balance“, erklärt die Schulleiterin. „Uni“, ergänzt Seifert, „kann nur neugierig machen auf mehr wissen wollen“.

 

Informationen zur Kinder-Uni am Federsee gibt es auch auf der Internetseite der Schule: www.federseeschule.de

 

Quelle: Schwäbische Zeitung, 18.02.2014 (grü/sz)

 

Wollen Lust auf Wissenschaft wecken: Sabine Lang-Rondé (links), Vorsitzende des Fördervereins Federseeschule, Schulleiterin Elisabeth Sontheimer-Leonhardt und Michael Seifert, der Organisator der Kinder-Uni Tübingen. (Foto: Annette Grüninger)
Wollen Lust auf Wissenschaft wecken: Sabine Lang-Rondé (links), Vorsitzende des Fördervereins Federseeschule, Schulleiterin Elisabeth Sontheimer-Leonhardt und Michael Seifert, der Organisator der Kinder-Uni Tübingen. (Foto: Annette Grüninger)

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